Gefängnisse in Portugal

Über die letzten zwei Jahrhunderte gesehen befanden sich die Gefängnisse Portugals in einem permanenten Wandel. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden bestehende Gebäude in Gefängnisse umgewandelt. Mit der Gefängnisreform von 1867 wurden viele der grösseren Einrichtungen für den Vollzug neu gebaut, um den Ansprüchen der europäischen Gefängnisreformer gerecht zu werden. In mehreren Wellen wurden dann auch kleinere Gefängnisse gebaut, die sogenannten Cadeias Comarçãs, die dem Vollzug strafrechtlicher, administrativer, wie später, politischer Haft dienten.  Seit der Nelkenrevolution von 1974 wurde eine Mehrzahl dieser Gefängnisse geschlossen.

Heute verfügt Portugal über 49 Einrichtungen des Freiheits­entzugs (estabelecimentos prisionais, EP). Im Gegensatz zu vielen Ländern werden Gefängnisse nicht nach ihrer Funktion unterschieden, zwischen Anstalten für die Untersuchungshaft und Einrichtungen für den Strafvollzugs, sondern nach ihrer Verwaltungskomplexität.

Obwohl die Zahl der Gefangenen lange diejenige der verfügbaren Plätze überstieg, sank die Belegungsrate Mitte 2020, dem Jahr des Beginns der COVID-Pandemie, unter 100 %. Ende 2023 lag sie bei 98 %. Im europäischen Vergleich weist Portugal mit 121 Insassen pro 100'000 Personen der Wohnbevölkerung nach wie vor eine hohe Gefangenenrate auf, was auf eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an langen Haftstrafen zurückzuführen ist. Für Strafgefangene besteht keine Arbeitspflicht. Das Arbeitsangebot ist zudem sehr begrenzt, was den Alltag umso eintöniger macht. Das Betreuungspersonal (guard prisional) ist stark gewerkschaftlich organisiert.

Tabelle: Belegungs- und Gefangenenrate einiger ausgewählter Staaten

Staat Belegungsrate¹ Gefangenenrate²
Portugal (09.2023) 98% 121
Spanien (01.2023) 74% 113
Frankreich (07.2023) 123% 109
Schweiz (01.2023) 90% 73
Deutschland (01.2023) 81% 71
UK: Schotland (01.2023) 97% 144
Slovakei (08.2023) 87% 185
Serbien (01.2023) 90% 162

1) Belegungsrate: Verhältnis der Anzahl der Gefangenen zur Anzahl der Plätze, basierend auf den offiziellen Kapazitätsangaben.
2) Gefangenenrate: Verhältnis der Anzahl der Gefangenen zu 100'000 Personen der Wohnbevölkerung.
Quelle: Prison Population List, Institute for Criminal Policy Research (ICPR). www.prisonstudies.org

Zwei Kategorien von Gefängnissen

Eine Einrichtung der Gruppe Gefängnisse mit hoher Komplexität besteht aus mehreren Abteilungen mit Einzel- und Mehrbett­zellen, jeweils einem Aufenthalts­raum mit Cafeteria und einem Aufseher­büro. Die Gefangenen essen unter Auf­sicht in Speise­sälen im Kantinen-System. Die täg­lichen 2-stündigen Hof­gänge werden auf gesichertem Terrain durchgeführt.

Die Anlagen enthalten jeweils drei bis vier Unterrichts­räume, davon einer mit PC’s, eine Bibliothek und einem einfach einge­richteten Fitness­raum, einen Gefangenen­laden sowie einen Andachts­raum, der auch für andere Zwecke verwendet wird.
Die seltenen Arbeits­plätze werden in Anbauten zu den Zellen­gebäuden unter­gebracht oder, in älteren Gefäng­nissen, in separaten Gebäuden.

Die medizinische Infrastruktur besteht aus einer separaten Abteilung, mit Warteraum, mehreren Sprech- und Untersuchungs­zimmern, Apotheke und ein Betten­saal sowie ein Isolations­abteil. Für Disziplinar­strafen ist eine Einehit mit speziellen Zellen und eigenen Spazier­höfen eingerichtet.

In einigen der Gefängnisse besteht eine weitere, kleinere, vollständig getrennte und weniger gesicherte Abteilung mit einem «offeneren Regime» (Regime Aberto no Interior, RAI), v. a. für Gefangene vor ihrer Entlassung.

Die Besuche (zwei Mal pro Woche eine Stunde) finden in einem oder mehreren grossen Räumen unter Über­wachung statt. Intimbesuche – im internationalen Vergleich sehr vorbildlich gehandhabt – finden in Zimmern mit Doppel­betten, Küchen­ecke, WC und Dusche statt.

Die Sicherung gegen Aussen erfolgt hauptsächlich mit bewaffnetem Personal in Wachtürmen, die jedoch wegen Personalmangel nur noch zeitweise oder überhaupt nicht mehr besetzt sind. Das Aufsichts­personal arbeitet in Schichten von 24 Stunden über mehrere Tage mit 2 Tagen Unterbruch. Es verfügt über eigene Aufenthalts-, Speise- und Schlafräume.

Eine Einrichtung der Gefängnisse mit mittlerer Komplexität besteht in der Regel aus einem oder zwei Zellengebäuden mit einer relativ geringen Anzahl von Insassen. Es handelt sich um Einrichtungen, die auf renovierten Gebäuden der früheren Cadeias Comarçãs basieren, die Ende des 19. Jahrhunderts, dann in weiteren Wellen nach den 1930er Jahren erbaut wurden. In diesen Einrichtungen findet man einen Innenhof für Spaziergänge, Räume für Familienbesuche und gelegentlich Ausbildungsräume.

EP da Guarda. Foto: Luis Barbosa, 2016

Estabelecimento Prisional da Guarda

200 km südöstlich von Porto | 182 Plätze | Inbetriebnahme als Gefängnis 1971

Zuerst als Gefängnisspital genutzt, wird das Gebäude 1971 vollumfänglich zu einer Einrichtung des Freiheitsentzugs. Neben den Einrichtungen, die ausschliesslich für Frauen eingesetzt werden, ist die EP Guarda eine von fünf Einrichtungen in Portugal mit einer «Secção Feminina». Bestehend aus zwei U-förmig aneinander gebauten, ungleich langen Gebäuden, wird sie von einer fünfeckigen Mauer umgeben. Die Flügel sind zwei und drei Stockwerke hoch.

Grundriss der Zellenblöcke
Grundriss der Zellenblöcke

„An einem sehr kalten Tag wurde das fotografische Dokumentieren dieses Gefängnisses emotional verstärkt durch die Art der Räumlichkeiten, die stereotypen, und doch einzigartigen und persönlichen Alltagsroutinen der Insassen.“

Luis Barbosa, Fotograf

Estabelecimento Prisional de Leiria. Foto: Luis Barbosa, 2016

Estabelecimento Prisional de Leiria (Jugendliche)

In der Mitte zwischen Porto und Lissabon gelegen | 347 Plätze | Inbetriebnahme 1956

In einem weiten Feld von 90ha gelegen ist dies die einzige Einrichtung für Minderjährige und junge Erwachsene in Portugal. Die Insassen kommen meist aus den Vororten der grösseren urbanen Zentren. Die Gebäude stammen teilweise aus einem früheren Landwirtschaftsbetrieb; in den 1940er Jahren wurden sieben Gefängnispavillons gebaut.

Grundriss der Zellenblöcke
Grundriss der Zellenblöcke

„Hier habe ich meine ersten Fotoaufnahmen in einem Gefängnis gemacht. Ich war recht nervös. Die Tatsache, dass die Insassen zudem noch junge Männer waren, verstärkte dies den emotionalen Charakter dieses ersten Besuches zusätzlich. Ich entschied mich, die Interaktionen zwischen den Jugendlichen festzuhalten und die Kommunikation in der Schulzeit und in den anderen Aktivitäten zu beobachten.“

Luis Barbosa, Fotograf

EP de Viseu. Photo: Luis Barbosa, 2016

Estabelecimento Prisional de Viseu

130 km südöstlich von Porto | 37 Plätze | Inbetriebnahme 1975

Das Gefängnis hat einen U-förmigen Grundriss. Im Gegen­satz zu den anderen Institutionen hat es keinen Umschwung, wenn man vom Fussball­feld absieht. Die beiden Flügel sind an deren Ende mit einer Mauer verbunden, in die das Eingangstor eingebaut ist. Der Zwischen­raum zwischen den Flügeln wird für admini­strative Zwecke genutzt.

Grundriss der Zellenblöcke
Grundriss der Zellenblöcke

„Die Kleinheit dieser Einrichtung und die dicht belegten Zellen wurden zum Haupt­thema meiner Doku­mentation. Es war in dieser Ein­richtung, dass ich mich den Insassen und deren Raum am nächsten fühlte.“

Luis Barbosa, Fotograf

EP de Lisboa. Photo: Peter Schulthess, 2017

Estabelecimento Prisional de Lisboa

Lissabon (Zentrum) | 887 Plätze | Inbetriebnahme 1880

Der Gefängniskomplex liegt am Rande der Innenstadt auf einem der sieben Hügel Lissabons. Das beeindruckende, unter Denkmal­schutz stehende Hauptgebäude wurde nach dem Vorbild des 1860 erstellten Gefängnisses von Leuven in Brüssel gebaut. Es besteht aus sechs Flügeln in der typischen Radial­architektur der damaligen Zeit, mit nahezu 600 Zellen auf drei Stock­werken und einigen weiteren in den Keller­geschossen. Ein Flügel ist inzwischen renoviert; in den anderen  wurden jeweils je zwei Einzel­zellen zu einer Gemein­schafts­zelle für vier Personen zusammen­gelegt, um die Kapazität zu erhöhen.
Eine weitere Einheit mit 38 Plätzen dient der therapeutischen Behand­lung in einem strengeren Regime. Diese Einheit G liegt in einem separaten Gebäude, das vermutlich auf die Bauzeit des Gefängnisses zurückgeht. Die medi­zinische Abteilung befindet sich heute in einem Neu­bau. Zwischen zwei Flügeln, in einem Container­provisorium einge­richtet, befindet sich die Einheit H für den Vollzug im sog. leichteren Regime (RAI); sie verfügt über 104 Plätze für die Gefangenen, die entlassen werden sollen.

Übersicht der Gefängnisanlage innerhalb der Aussenmauer

„Für die Insassen ist dieses Gefängnis hart. Für mich als Fotograf waren diese historischen Gebäude einzigartig. Die zwei Tage, die ich in dieser Einrichtung, der grössten Portugals, verbrachte, waren viel zu kurz im Vergleich zu dem, was ich fotografieren wollte.“

Peter Schulthess, Fotograf

EP de Carregueira. Photo: Peter Schulthess, 2016

Estabelecimento Prisional da Carregueira

17 km im Nordwesten von Lissabon | 732 Plätze | Inbetriebnahme 2003/2004

Die Einrichtung liegt in einer grünen Landschaft an der N117, auf einem ehemaligen mili­tärischen Gelände. Die beiden Zellen­blöcke liegen in einem gross­zügigen Areal mit weiten Land­reserven. Die Zellen­blöcke ent­halten total 72 Einzel­zellen und 122 Gemein­schafts­zellen mit vier, seit 2011 fünf Betten. Die Innen­architektur dieser Gebäude ist un­über­sichtlich und benötigt für die Auf­sicht der Gefangenen viel Personal. Besser organisiert ist der Besucherbereich.
Die Einheit mit dem leichteren Regime (RAI) hat 38 Plätze mit einer vergleichs­weise sehr komfor­tableren, nahezu famili­ären Atmosphäre.

Grundriss der Zellenblöcke
Grundriss des Hauptgebäudes mit Zellenblöcken A und B sowie der Einheit RAI

„Carregueira ist ein modernes Gefängnis in vielen Belangen und man wünscht sich mehr davon. Es war mein zweiter Besuch in einer portu­giesischen Anstalt und ich war über­rascht, wie wenig Gefangene arbeiten und wie viele den ganzen Tag gelangweilt in der Zelle hängen.“

Peter Schulthess, Fotograf

EP de Santa Cruz do Bispo, 2016. Photo: Peter Schulthess

Estabelecimento Prisional de Santa Cruz do Bispo (feminino)

In nächster Nähe des Flughafens von Porto | 352 Plätze nur für Frauen | Inbetriebnahme 2004

In der Anflugschneise des Flughafens von Porto liegt das moderne Estabelecimento Prisional, in unmittel­barer Nähe des Männer­­gefängnisses mit gleichem Namen sowie weiteren Spezial­einrichtungen der DGRSP.
In den vier parallel gelegenen Zellen­flügeln befinden sich die Abteilungen Mutter und Kind, Untersuchungs­haft und Straf­vollzug. Jeder Flügel hat seinen eigenen Spazier­hof und Speise­saal. Die Einzel­zellen sind schmal, speziell wenn noch ein Kinder­bett vor­handen ist. In den nicht wenigen Gemeinschafts­zellen befinden sich 6 Betten. Vor­bildlich ist die Infra­struktur für die Betreuung der Kinder der Gefangenen bis zum Alter von 5 Jahren; eben­falls die grosse, gut einge­richtete und gut frequentierte Turn­halle. Der Sicherheits­grad ist vergleich­bar mit anderen Ein­richtungen der Kategorie "hohe Komplexität".

Übersicht der Gefängnisanlage innerhalb des Aussenzaunes

„Eine überzeugende, moderne Architektur mit klaren Strukturen, grosszügigen Innen- aber nur minimalen Aussenräumen.“

Peter Schulthess, Fotograf

Estabelecimento Prisional de Izeda. Foto: Peter Schulthess, 2017

Estabelecimento Prisional de Izeda

Izeda (Region Trás os Montes) | 301 Plätze | Inbetrieb­nahme als Vollzugseinrichtung 1995

Izeda liegt in einer kargen Region auf 600 m ü. M. nahe der Grenze zu Spanien. Die Region (auf Deutsch «hinter den Bergen») ist bekannt für die extrem heissen Sommer und die bitter­kalten Winter. Die welt­weit tätige Organisation der Salesianer Don Boscos baute 1960 am Rande der Ortschaft ein imposantes Internat mit Berufs­schule, das sie bis 1977 betrieben. 1996 wurde das Gebäude und Gelände zu einer Straf­vollzugs­einrichtung um­gerüstet. Die grossen Schul­zimmer dienen nun als Zellen mit bis zu 16 Betten, ein riesiger Saal mit Bühne ermöglicht Theater- und Musik­produktionen und die prächtige Kirche gibt Nahrung für die Seele. In einer alten Scheune ausserhalb des Sicherheitsbereichs untergebrachte Häftlinge verrichten landwirtschaftliche Arbeiten. Dank einer früheren Erb­schaft verfügt die An­stalt über Oliven­haine und eine Oliven­presse im Dorf.

© gefo.ch, 2023

Übersicht der Gefängnisanlage innerhalb des Aussenzaunes

„Ein prächtiges Gebäude mit eindrücklicher Architektur, umge­wandelt in eine eigen­artige Straf­vollzugs­einrichtung. An einem kalten Tag wurden wir hier sehr warm­herzig empfangen.“

Peter Schulthess, Fotograf

EP de Pinheiro da Cruz. Photo: Peter Schulthess, 2020

Estabelecimento Prisional de Pinheiro da Cruz

30 km im Süden von Setúbal | 645 Plätze | Inbetriebnahme 1951

Dieses Gefängnis wurde 1951 unter der Bezeichnung „Strafkolonie Pinheiro da Cruz“ für „sogenannt unverbesserliche Straftäter“ erstellt. In der ländlichen Umgebung ist es überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Im geschlossenen Bereich verfügt es über vier Pavillons mit Einzelzellen und zwei Schlafsälen. Es ist ausgestattet mit Kantine, Arztpraxis, Krankenstation, Klassenzimmern, Berufsausbildungsräumen, Werkstattbereichen, Sporträumen und einem Besuchsraum. Im offenen Regime (RAI) gibt es als Unterkunftsräume vier Pavillons, das „Bairro do Monte“ und mehrere über die Einrichtung verstreute Gebäude. U.a. werden so Häftlinge, die in der Landwirtschaft und Viehzucht arbeiten, untergebracht.

Übersicht der Gefängnisanlage innerhalb der Aussenmauern bzw. des Aussenzaunes

„Diese frühere Strafkolonie genannte Einrichtung ist denen, die ich aus der Schweiz kenne, recht ähnlich. Während die portugiesische Einrichtung jedoch für die schwersten Straftäter gebaut wurde, sehr abgelegen und in Form einer geschlossenen Struktur, sind die schweizerischen landwirtschaftlichen Gefängnisse offen; die Insassen sind grösstenteils in der Landwirtschaft tätig und unterliegen keiner strengen Überwachung.“

Peter Schulthess, fotograf

EP de Ponta Delgada. Photo: Peter Schulthess, 2022

Estabelecimento Prisional de Ponta Delgada

Auf den Azoren gelegen | 141 Plätze | Gebäude aus dem 19. Jahrhundert

Die Anlage, die früher am Rande der Stadt und heute mitten in Ponta Delgada liegt, stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es wird immer noch genutzt, obwohl das Gebäude längst veraltet ist und das Gelände für touristische Zwecke genutzt werden sollte. Das heutige Gebäude wurde 1975 renoviert. Die beiden Zellenblöcke mit Einzelzellen und Gemeinschaftsräumen sind durch ein klassisches Empfangsgebäude verbunden, in dem sich die Verwaltung befindet. Im Obergeschoss eines Flügels befindet sich eine kleine Einheit für Frauen. Der Aussenbereich der Anlage umfasst einen Spazierhof, einen Fitnessstand, eine Werkstatt und einen 15 x 30 m grossen Sportplatz, der durch eine Mauer mit zwei Wachtürmen gesichert ist.

„Es war eine ziemliche Reise auf die Azoren. Die Einrichtung muss dringend renoviert werden, um den aktuellen Haftstandards zu entsprechen oder, noch besser, sie sollte einfach ersetzt werden!“

Peter Schulthess, Fotograf

EP de Beja. Photo: Luis Barbosa, 2023

Estabelecimento Prisional de Beja

200 km südöstlich von Lissabon | 162 Plätze | Inbetriebnahme 1972

Die Stadt Beja liegt im Zentrum der südlichen Region Portugals. Das EP de Beja dient vor allem der Untersuchungshaft. Das Gebäude wurde in den 1950er Jahren erbaut und diente zunächst als örtliches Gefängnis, eine sogenannte Cadeia Comarcã. Es wurde 1972 modernisiert und zur Nutzung als Untersuchungsgefängnis umgebaut. An das ursprüngliche Hauptgebäude, das immer noch genutzt wird, lehnen sich zwei dreistöckige Flügel an, die 2002 eröffnet wurden, mit einem Innenhof und Sportplatz. Während der ursprüngliche Komplex extrem verwinkelt ist, haben die Erweiterungsbauten die klassische, gerade Form von Zellenflügeln.

Layout drawing prison of Beja
Grundriss der neuen Zellengebäude (dunkel eingfärbt) und weiterer Gebäude (grau) im Gelände innerhalb der Aussenmauern (total 7800m²)

„An einem der heissesten Tage des Jahres 2023 war der Besuch dieses Gefängisses ein weiteres emotionales Erlebnis, vor allem wegen eines Gesprächs, das ich mit einer inhaftierten Person über einen Autor führte, den wir beide mochten, aber auch wegen des interessanten Austauschs mit Inhaftierten auf dem Hof.“

Luis Barbosa, fotograf

EP de Évora. Photo: Luis Barbosa, 2023

Estabelecimento Prisional de Évora

130 km südöstlich von Lissabon | 35 Plätze | Inbetriebnahme 2008

Nach offiziellen Angaben ist das im Südosten von Lissabon gelegene EP de Évora seit ihrer Eröffnung hauptsächlich für die Inhaftierung von Insassen bestimmt, die Funktionen in der Armee, in Sicherheitskräften oder -diensten ausüben oder ausgeübt haben, sowie für andere Kategorien von schutzbedürftigen Insassen. Auf einem grossen, durch eine Mauer geschützten Platz steht das kreuzförmige Gebäude aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zwischen den beiden Zellentrakten wurden ein Sportplatz und ein Spazierhof angelegt, die beide durch eine weitere Mauer gesichert sind. Die beiden längeren, zweigeschossigen Zellentrakte bieten zusammen Platz für 35 Personen.

Layout drawing prison of Évora
Grundriss des Zellentraktes (dunkel eingefärbt) und andere Gebäude (grau) im Gelände innerhalb der Aussenmauern (total 6800m²)

„Dies war das erste Gefängnis, in dem ich in der neuen Phase des Projekts im Jahr 2023 fotografiert habe; die emotionale Spannung war hoch. Da es sich um ein Gefängnis für Häftlinge handelt, die zuvor der Polizei, der Armee oder anderen Einheiten angehörten, die normalerweise auf der anderen Seite des Gesetzes stehen, war dies eine paradoxe Situation. Aber sie waren sehr neugierig auf unser Interesse an Gefängnissen.“

Luis Barbosa, Fotograf

EP do Porto. Photo: Peter Schulthess, 2022

Estabelecimento Prisional do Porto

10 km nördlich von Porto | 686 Plätze | Inbetriebnahme 1974

Die Unterbringung im Gefängnis ist auf vier Pavillons mit Einzelzellen und Schlafsälen verteilt. Es verfügt über eine Behandlungseinheit für Häftlinge mit Suchtproblemen, eine Sicherheitsabteilung und eine 1997 eröffnete Gesundheitseinheit, die verschiedene fachärztliche und stationäre Konsultationen ermöglicht. Ein Mehrzwecksportplatz mit Kunststoffboden erlaubt es den Insassen, verschiedene Sportarten auszuüben. Es besteht zudem ein großer Werkstattbereich mit Arbeits- und Unterrichtsräumen. Aufgenommen werden im Wesentlichen Untersuchungshäftlingen aus der Region Porto. Im EP do Porto sind auch Personen aus dem Norden des Landes inhaftiert, die auf ihre Überstellung in Einrichtungen zur Verbüssung ihrer Strafe warten.

„Das ist ein riesiges Gefängnis. An meinem ersten Fototag war ich ziemlich überwältigt von der Vielzahl an Gebäuden, Orten und Objekten, die ich gerne fotografiert hätte. Obwohl ich einen zweiten Fototag durchführen konnte, war ich nicht in der Lage, alle Orte zu besuchen.“

Peter Schulthess, fotograf

EP de Odemira. Photo: Luis Barbosa, 2023

Estabelecimento Prisional de Odemira

80 km nördlich von Portimão | 56 Plätze | Inbetriebnahme 1995

Das in der Algarve gelegene EP de Odemira wird seit 1995 ausschliesslich für Frauen genutzt. Da sich die zentrale Einrichtung für Frauen in Porto befindet, das EP Santa Cruz do Bispo – feminino, handelt es sich hierbei um eine zusätzliche Anstalt für Untersuchungshäftlinge und verurteilte weibliche Gefangene aus dem Süden Portugals. Die Anlage liegt am südlichen Rand der Kleinstadt Odemira und besteht aus einem Hauptgebäude auf zwei Etagen, mit Nebengebäuden für die Küche, einem Besucherraum, einer Werkstatt und einem Schulungsraum.

Übersicht der Gefängnisanlage innerhalb der Mauer

„Dies war das erste Gefängnis für Frauen, in dem ich Fotos gemacht habe. Ich befand mich zufällig in der Nähe des Telefons des Gefängnisses, als einige Frauen telefonierten, und hörte weniger Gesprächsfetzen als die Musik der Gespräche, welche die Bedeutung dieses Fadens mit der Aussenwelt bewies.“

Luis Barbosa, Fotograf

EP de Silves. Photo: Luis Barbosa, 2023

Estabelecimento Prisional de Silves

20 km nördlich von Portimão | 58 Plätze nur für Frauen | Inbetriebnahme in jetztiger Funktion: 1960er Jahre

Wie viele kleinere Gefängnisse in Portugal entstand das EP de Silves aus einer sogenannten Cadeia Comarcã, einer Justiz- und Verwaltungseinrichtung aus dem 19. Jahrhundert. Die für die Nachhaltigkeit seiner Nutzung wesentlichen Renovierungsarbeiten wurden Anfang der 1960er Jahre abgeschlossen. Das EP de Silves besteht aus einem quadratischen Gebäude, das durch eine Aussenmauer gesichert ist. Die Flügel haben zwei Stockwerke, mit Zellen hauptsächlich im Obergeschoss. Die weiteren Räume – Küche, Esszimmer, Besucher- und Klassenräume – befinden sich im Erdgeschoss. Der begehbare Innenhof ist klein. Im Gegensatz zu den meisten Einrichtungen gibt es keinen Sportplatz. Das EP de Silves dient hauptsächlich der Durchführung von Untersuchungshaft.

Shape of EP de Silves
Grundriss des Zellenblocks (dunkel eingefärbt) und der weiteren Gebäude auf dem Gelände innerhalb der Aussenmauer

„Als ich anfing zu fotografieren, waren einige Insassinnen damit beschäftigt, Kaffeemaschinen für eine Firma zu reparieren – eine Zusammenarbeit, die die Fauen, die ich traf, sehr schätzten. Arbeitsmöglichkeiten sind in portugiesischen Gefängnissen immer allzu selten.

LUIS BARBOSA, Fotograf